Boox 60
Boox 60
 

Boox 60

Im Januar habe ich mir — nach längerem Überlegen — einen E-Book-Reader gekauft. Meine Anfor­de­rungen unter­schieden sich hier etwas von denen eines »normalen« E-Book-Nutzers. Ich wollte ein Gerät um RSS-Feeds im Bus und in der Bahn lesen zu können. Bisher habe ich dafür mein N800 verwendet. Doch das Display ist mit 4,1″ hierfür eigentlich zu klein und sobald die Sonne etwas heller scheint, kann man auf dem trans­mis­siven Display nichts mehr erkennen. Also musste etwas Größeres her. Der iRex Illiad lag weit außerhalb des Budgets und viele andere Reader hatten kein WLAN. Jeden Morgen mit SD-Karten zu hantieren kam auch nicht in Frage. Irgendwann bin ich dann über das Boox 60 (baugleich mit dem BeBook Neo) gestolpert. Knappe 300€ teuer, WLAN und 6″ e-Paper-Display mit Touch­screen.

Innere Werte

Boox 60

Über die inneren Werte des Boox sind schon viele Artikel verfasst worden. Daher hier nur eine kurze Zusam­men­fassung:

  • Display: 6″ E-Ink–Display
  • Graustufen: 8 (soll irgendwann auf 16 erweitert werden)
  • Auflösung: 800×600
  • Touch­screen: Wacom Induk­tiver Touch­screen
  • CPU: 532 MHz ARM
  • RAM: 128 MByte
  • Flash: 512 MByte (Betriebs­system + Daten)
  • SD-Slot mit SDHC Support
  • 802.11b WLAN

Firmware

Die Firmware ist seit Version 1.3 gut brauchbar. Ältere Versionen glänzten noch mit verein­zelten Abstürzen. Seit 1.3 ist das Gerät (bei meinem Nutzungs­profil) stabil. Die Notiz­funktion krankt an dem doch sehr ungenauen Touch­screen. Durch das induktive Funkti­ons­prinzip ist die Genaugkeit stark von der Stift­haltung abhängig. Wer — wie ich — die Hand auf dem Display­rahmen auflegt um genauer zielen zu können, neigt den Stift je nach Position des anzukli­ckenden Elementes unter­schiedlich stark. Daher sollte man beim Kalibrieren auf die gleiche Handhaltung achten, wie später bei der Nutzung. Tut man dies, ist die Genau­igkeit ausrei­chend. Die Stabi­lität ist — entgegen anderen Berichten — wirklich gut. Mir ist das E-Book noch nie abgestürzt. Jedoch gab es mit älteren Firmware­ver­sionen gerne mal Probleme mit dem WLAN. Dieses funktio­niert jedoch seit Version 1.3 ziemlich gut.

Display

Das e-Ink Display ist etwas völlig Anderes als herkömm­liche LCDs. Da es sich um ein rein reflek­tives Display handelt, kann auch in der Sonne gut gelesen werden. Der Kontrast entspricht in etwa dem Ausdruck eines Laser­dru­ckers auf ungebleichtem Umwelt­papier und auch der mögliche Blick­winkel ist ähnlich. Da jedoch das Schwarz in der Sonne gut besteht, nimmt der Kontrast bei steigender Helligkeit sogar noch etwas zu. Die Auflösung von 800×600 Pixeln sorgt für ein scharfes und angenehm zu lesendes Schriftbild. Sogar einfache Grafiken oder Fotos werden in Zeitungs­qua­lität angezeigt. Wer also zwischen einem iPad und dem Boox/BeBook schwank, sollte einfach einmal beide Geräte mit in den Biergarten nehmen…

Akkulaufzeit

Hier könnte Onyx noch etwas optimieren. Ich nutze das Boox jeden Tag für etwa 30 Minuten um meine herun­ter­ge­la­denen NewsFeeds zu lesen. D.h. die Prozes­sorlast ist wohl etwas höher als norma­ler­weise, da viel HTML gerendert werden muss. Die Feeds werden jeden Morgen herun­ter­ge­laden, wofür das WLAN für ca. 5 Minuten aktiv ist. Bei diesem Nutzungs­profil hält das Boox etwa 4 Tage durch, bevor es wieder an die Steckdose muss. Für ein Gerät mit e-Ink-Display und 1,6 Ah Akku ist das nicht gerade üppig.

Nutzung

Das Boox lässt sich über USB als Wechsel­medium anbinden. Ich habe die gängigen Datei­formate (PDF, TXT und HTML) getestet. Das funktio­nierte sehr gut. Die Geschwin­digkeit ist bei HTML– und TXT-Dateien gut brauchbar. Bei PDF hängt es sehr von der Größe der Datei ab. Da aber 800×600 Pixel Auflösung für große PDFs nicht wirklich geeignet ist (hier hilft die Nutzung im Querformat etwas), stellt das kein Problem dar. Da ich von Anfang an das Boox als Zeitungs­ersatz nutzen wollte, hat es noch nie ein E-Book gesehen und ich kann nicht sagen, wie gut das funktio­niert. Der Webbrowser basiert auf WebKit und er kommt somit mit den meisten Webseiten gut klar. Sogar JavaScript wird unter­stützt. Natürlich sind Anima­tionen auf dem e-Paper-Display nur sehr einge­schränkt möglich.

Software­ent­wicklung

Das Boox läuft — ebenso wie das BeBook Neo — unter Linux. Das SDK kann von der Herstel­ler­seite herun­ter­ge­laden werden. Vorsichtig formu­liert ist die Dokumen­tation stark verbes­se­rungs­würdig. Da jedoch alles auf Qt basiert, kann man zumindest hier auf gute Dokumen­tation zugreifen. Trotzdem — vor allem weil ich selbst so ein Tool wollte — habe ich mir einen Offline-RSS-Reader für das Boox geschrieben. NewsFlash heißt das gute Stück und es macht das Gerät zu einem guten Tages­zei­tungs­ersatz.

Fazit

Für meinen Einsatz­zweck als Zeitungs­ersatz funktio­niert das Boox wirklich ausge­zeichnet. Ob es als e-Book-Reader taugt, weiß ich nicht. Die kurze Akkulaufzeit ist als Tages­zei­tungs­ersatz zu verschmerzen und dass man einfach beim Frühstücken seine Feeds aktua­li­sieren und später bequem lesen kann, ist wirklich klasse. Für News-Junkies ist das Boox/BeBook Neo wirklich eine Empfehlung. Besonders mit der Software NewsFlash.

Bil­der­gal­le­rie

06.06.2010

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